Wir sparen - koste es was es wolle

Werkstudenten - Azubis - Praktikanten sollen ausgebildet werden, stattdessen werden sie als billige Fachkräfte eingesetzt.

In meinen Seminaren vermittle ich unter anderem das Entwickeln von automatisierten Systemen unter Excel oder Access - meist unter Verwendung von VBA, der Programmiersprache für Microsoft Office. Es vergeht nicht ein Seminar ohne Teilnehmer, die von ihren Auszubildenden verlassen wurden. Das liegt in der Natur der Sache. Hier fängt das Drama an. Diese jungen Menschen sind meist - was die Entwicklung von Software betrifft - ihren Ausbildern weit überlegen. Da bietet es sich doch an, sich die eine oder andere Automatisierung programmieren zu lassen. Dies ist auch wesentlich günstiger, als einen Profi anzufordern und die Software funktioniert auch fantastisch. Schon wieder Geld gespart.

Irgendwann ist die "Ausbildungsphase" beendet und der Praktikant verabschiedet sich. Er hat billig gearbeitet und vielleicht sogar etwas dazugelernt. Die Software läuft.

Ein paar Monate später hat sich die Situation geändert. Neue Produkte oder Prozesse sind in der Software noch nicht berücksichtigt und müssen unbedingt integriert werden. Es gibt keine Dokumentation, der Student ist nicht mehr verfügbar, da er nun woanders fest angestellt ist.

Die Mitarbeiter müssen ran. Sie sollen die Software anpassen - aber erst mal müssen sie sich mit wenigen Vorkenntnissen in die komplexe Struktur der vorhandenen Software einarbeiten. Um dieses zu erreichen, sollen sie an ein oder zwei Tagen das lernen, wozu der Werkstudent ein oder zwei Semester gebraucht hat (nachdem er die anderen theoretischen Voraussetzungen gelernt hat und darüber auch abgeprüft wurde). Der Facharbeiter soll nebenher nach einer Blitzausbildung neben seinem normalen Beruf auch noch Programmierer werden. Würde dies funktionieren, wäre das natürlich auch eine günstige Lösung. Doch das tut es oft nicht.

Ich kann meine Seminarteilnehmer auf eine gewisse Stufe bringen, in der sie dann Grundlagenwissen haben. Sie sollten dann die Möglichkeit haben, ihr Wissen zu vertiefen, hierfür fehlt aber meist die Zeit. So langsam dämmert es: Ein Profi muss her. Hier komme oft ich ins Spiel.

Neben der Neuentwicklung von Software hat auch das sogenannte Refactoring einen großen Anteil an meinen Tätigkeitsbereichen. Ich passe Software an neue Anforderungen an - manchmal mache ich sie auch nur schneller und effektiver. Damit dies professionell durchgeführt werden kann, ist eine gute Dokumentation (s.o.) sehr hilfreich. Ohne Dokumentation muss sich jeder Entwickler erst einmal in die vorhandene Software einarbeiten. Er muss die Prozesse durchleuchten und muss bei jeder noch so elementaren Aktion genau wissen, was die Software macht. Dies ist oft auch für den erfahrenen Programmierer nicht einfach und erfordert höchste Konzentration. Hier gehen nun die Stunden ins Land. Die anfangs gesparten Kosten brechen nun über Sie hinein und es hat keiner etwas davon gehabt. Der Betrieb nicht, da nun teure Nachbearbeitung notwendig ist - und auch der Student ist nicht weitergekommen sondern hat das bisher Gelernte zum Einsatz gebracht.

Schön - jetzt wissen wir das. Aber wie soll man richtig vorgehen?

  1. Gehen Sie gleich auf den Profi zu und machen erst einmal einen Besprechungstermin (dieser ist grundsätzlich kostenlos und unverbindlich).

  2. Schildern Sie hier Ihr Problem. Am Besten Sie haben schriftlich etwas vorbereitet. Denken Sie bitte auch daran, einen Mitarbeiter auszuwählen, der den Systementwickler mit Daten und Informationen versorgen kann.

  3. Geben Sie auch Wünsche an, die Ihnen aufwändig erscheinen. Oftmals sind es genau diese Dinge, die "nebenher" programmiert werden können, während andere, als einfach empfundene Dinge einen großen Aufwand verursachen. Lassen Sie den Systementwickler dazu Stellung nehmen. Das ist sein Beruf.

  4. Machen Sie eine grobe Kosten- / Nutzenanalyse. Bringen Sie in Erfahrung welche Zeit Sie und Ihre Mitarbeiter normalerweise für die zu automatisierende Tätigkeit brauchen würden und wie oft das geschieht. Wenn der Systementwickler sein Angebot erstellt können Sie nun ausrechnen, ab wann sich diese Software amortisiert hat. Es sollte aber auch die Aufgabe des Profis sein, Sie darauf hinzuweisen, wenn dies am St. Nimmerleinstag sein wird.

  5. Wie genau kann das Angebot sein? Wie lange braucht man, um eine Stecknadel im Heuhaufen zu finden? Nun - die Systementwicklug ist zwar etwas Exploratives, etwas Forschendes und Experimentelles, bis man die notwendigen Tools zusammengebaut hat, aber gerade hier kommt die Programmiererfahrung zum Tragen. Eine Fremdsprache lernt man durchs Sprechen und eine Programmiersprache durchs Programmieren. Ähnliche Betriebe haben ähnliche Probleme und hier kann der Programmierer die Räder benutzen, die er schon einmal erfunden hat.